RAF 3.0 – »Hoch2« (Vorgehört)

HOCH2 COVER

30 Sekunden sind um und ein langgezogenes »Ey!« erklingt. Das Intro ist vorbei und – klar,  wir wissen – RAF 3.0 ist wieder da. Dessen neue LP »Hoch2« erscheint am 05.07.2013, und um eines vorwegzunehmen: es wird großartig. Der Weg dorthin jedoch war steinig und schwer, so wie bei Xavier Naidoo. Und der deutschen Nationalmannschaft 2006. Oder barfuß durch Gebirgsketten. Denn: vom französisch-schweizerischen Hofe voller Raben nach Wien, von Wien nach Berlin. Von Raphael Ragucci zu Raf0mic. Von Raf0mic über RAF Camora schließlich zu RAF 3.0.

Nachdem RAF im letzten Jahr mit dem ersten 3.0er-Werk bereits vorsichtig am Mainstream kratzte, reißt er ihn mit »Hoch2« diesmal komplett ein. Ich durfte die 15 Songs umfassende Promo-Version vorab hören. Ein paar Worte im Folgenden:

Drehte sich der Vorgänger noch um die Digitalisierung der Welt, dürfen wir auf dem neuen Langspieler mehr vom Menschen hinter RAF erfahren. Musikalisch werden neben den konventionellen Rap- weiterhin Reggae-Einflüsse aufgegriffen, neu hinzu kommt Grunge. Kurt Cobain feiert. Die erste Videoauskopplung »Phantom« inklusive des schönen Streichereinsatzes knallt euch anfangs gleich mal richtig ins Gesicht. Das ist kein Scherz, aber der Videosound reicht halt nicht. Liebe Youtube-Musikhörer, genießt das von der CD und revidiert euere anfangs vielleicht zurückhaltende Euphorie über das erste 3.0-Lebenszeichen 2013. Groß. Da hat Busy, Deutschlands bekanntester Mastering-Engineer, unglaubliche Arbeit geleistet. Besser, lauter, perfekter.

Geht auch direkt mit einem ignoranten Ohrwurm weiter: »Vergiss den Rest«. RAF meint dabei zwar diejenigen, die nicht bereit sind, »ein Teil von mir« zu sein. Ich meine: alles. Hört dieses Album und vergesst alles um euch herum.
In einem Interview sprach der Wahlberliner außerdem davon, sich für seine neue Platte lockerer gemacht zu haben. Flexibler im Wechsel von Rap und Gesang, was »Hoch2« in sich stimmiger und ‚runder‘ als dessen Vorgänger erscheinen lässt.

Weiter geht’s mit Track 04. Bibelfans aufgepasst: »Schwarze Sonne« interpretiert euere Lieblingsverse neu. Zusammen mit Vega und Prinz Pi – vor allem letzterer passt hier perfekt werden euch Stumme [hier bei Tauben und Sehschwachen] vom blauen Planeten erzählen, der komplett brannte. Deep. Wunderbare Umsetzung. Wer im Reli-Unterricht aufgepasst hat, erkennt sicher einige classic lines wieder. Anschließend kommt RAF mit einer Ohrwurm-Ode an Drogen seine Freunde um die Ecke. Wichtig. Fühlt jeder, respektive sollte das zumindest jeder fühlen. Also das mit den Freunden. Das mit den Drogen wahrscheinlich auch. Nuff said. Denn ohne unsere Freunde würden wir fallen. Pause. Cheesy.

Wie in Interviews oftmals betont wurde, ist dieses Album massentauglicher als der Erstling. Jeder Song ein Hit, und mit der Evol-Trilogie, die in 3 Teilen eine Beziehung inkl. Kennenlern-, Hoch- und Tiefphase mit dem längst überdrüssigen Ende beschreibt, ist auch etwas für die Gefühlsrudis und Girls dabei. Sehr zu empfehlen: Pt. 3 »Träumer«. Wird glücklicherweise die nächste Videosingle!

Und die absoluten (!) Nerds unter euch werden die Freude ihres Lebens am mit Tua produzierten Psychosen-Song »Fort« haben. Sehr dunkles Produkt, auf welchem die Stimmen der beiden Protagonisten teilweise zu einer Masse fusionieren. Danach verschließt ihr euere Tür und hört das Ding in Endlosschleife. Um es in den Worten des schlechtgelaunten Orson zu sagen: GIF-Animation. Immer wieder. Immer wieder. Technik-Gemetzel auf höchstem Niveau mit großem Knall.

Das war nur ein kleiner Auszug meiner endlosen Freude über diese sehr überzeugende 3.0-Sophomore-LP, da ich euch auch nicht zu viel verraten will.

Was stehen bleibt: ein wahnsinnig sauber und komplex produziertes Album für den Mainstream mit dem »dritten Auge« (Schrägstrich Ohr) für’s Detail. Was wollen wir eigentlich mehr? Gar nichts. Geht am 05. Juli in die Läden oder coppt euch das Ding via Amazon, iTunes und Co.