Diggedidope über: neodisco – »Krawalle und Liebe«

neodisco - »krawalle und liebe« vinl sony music vienna

Österreich. Steiermark. Die Brüder Nikolaus und Georg Nöhrer sowie deren langjähriger Schulfreund Sebastian Hofer haben mit »Krawalle und Liebe« ein janusgesichtiges Debüt hingelegt, das so noch nicht einmal in Ansätzen existierte. Hier treffen grandios ausproduzierte Pop-Beats auf österreichisches Namedropping. Auf die Oberfeistritzer Schnauze. Auf eigentlich so gar nicht auf den Mainstream abgestimmte Inhalte. Oberflächlich gesehen, okay, vielleicht: Party, Frauen, Party, Träume von jungen Erwachsenen. Tiefer geblickt: nein. Und genau diese Verbindung von poppigen Ohrwürmern und unkonventionellen Texten macht diese Platte so grandios.

Die LP erscheint zwar über Sony Music, das hatte künstlerisch jedoch überhaupt keine Einschränkungen zur Folge. Herrlich unverbogen, ehrlich und direkt. »Beine gehen auseinander wie die Schere zwischen Arm und Reich«. Lance Butters und Persteasy, die einzigen beiden Featurepartner, nehmen in ihren jeweiligen Gastverses auch kein Blatt vor den Mund. Zugegebenermaßen dreht sich der Großteil des Langspielers um Feiergeschichten. So wird beispielsweise »Raum« im Club eingefordert, weil die Herren Niko, Georg und Sebastian an der Bar ihre Ellbogen ausfahren, im nächsten Song wird der Türsteher angefleht, sie doch bitte hineinzulassen, Blicke werden mit der »Garderobenbraut« ausgetauscht. Alle Girls wollen den Liebeszauber.

Wenn es aber mal nicht um Feierlichkeiten geht, wird sich mit der bevorstehenden Apokalypse auseinandergesetzt oder der Sommer der heimischen Idylle Stubenberg besungen. Und studentische Laidback-Virtuosen werden »Aufstehen« fühlen. 4 ECTS in 8 Semestern, Glanzleistung, aber doch nah dran an der derzeitigen Generation.

Das Highlight der LP findet sich jedenfalls in der sich sehr vom Rest abgrenzenden Videoauskopplung »Dieses Lied« wieder. Eine unglaublich unpeinliche Ballade, auf der wieder massig Referenzen stattfinden. Blunts werden auf dem Mond mit »diesem Viehböck Franz« geraucht. Und auch wenn man »way above [war] wie der Stairway To Heaven«, blickt man nostalgisch  auf vergangene Fehler zurück. Sentimentale Romantik-Rudis werden es lieben. Und Frauen. Denn neodisco zeigen damit, dass sie das weibliche Geschlecht auch gerne auf Händen tragen und nicht immer nur auf körperliche Reize reduzieren.

Eine schier perfekte Gratwanderung zwischen Mainstream und Underground, die bravourös gemeistert wurde. Ladet euere Nächsten nun zur Balkonparty ein, grillt ordentlich was weg und lasst die Platte laufen. Ihr werdet es nicht bereuen. Und im Glücksfall mündet der Abend nicht in Krawalle, sondern in Liebe.

(jb)