Diggedidope über: Sorgenkind – Von A Nach X

SRGNKND VON A NACH X

Nach einer zweijährigen Pause, die Sorgenkind nutzte, um mit seinen Eypro-Freunden den ein oder anderen „Quatsch“ aufzunehmen, und sein Debüt „Weltretter auf Jobsuche“ hinter sich zu lassen, hat er es nun geschafft. Am 21.12.2012 (Release verschiebt sich aufgrund einiger Schwierigkeiten mit dem Presswerk um einige Tage nach Weihnachten) erscheint der Nachfolger „Von A Nach X“, mit dem er nun ein ernstzunehmendes, in sich rundes und stimmiges Werk in die hiesige Deutschrapszene werfen will. Hat er das gemeistert?

Gleich nach dem Opener, dem Titelsong der LP, sitzt man erst einmal beeindruckt vor dem Player.  Wow. War das der Sorgenkind, der in der Vergangenheit eine mehr oder minder unnötige Coverversion von Marterias „Verstrahlt“ mit seinen Kollegen aufnahm? Sicher handelt es sich hierbei um denselben Künstler. Allerdings hat er sich binnen 2 Jahren wohl endlich auf das Wesentliche fokussiert und serviert mit dem Intro „Von A Nach X“ einen selbstreflektierten Aufriss seiner selbst, der zudem mit einem gesungenen Ohrwurmchorus rasiert. Alles vorbei, wenn im zweiten Part die Drums einsetzen. Das nenne ich einen denkwürdigen Anfang.

Das Album ist schlicht gesagt das perfekte Stück Musik für diesen nasskalten Winter. Mal singend, mal rappend, aber immer extrem nachdenklich, dieser Sorgenkind. „Scrabble“ ist wie der Großteil der Platte das Richtige für Leute, die gerne mal zu viel nachdenken und in der dunkelgrauen Wohnung auf und ab laufen. Ob das Zeug euch therapieren kann, weiß ich auch nicht, aber fühlen kann man das allemal. Während „Einteiler“, eine der Videoauskopplungen, den Versuch, eine gescheiterte Beziehung nochmal zu reanimieren, mit den unwürdigen Fortsetzungen grandioser erster Kinostreifen vergleicht, wird es in „Weg von dort“ nostalgisch und der Heimatort zur Falle aus Monotonität des Alltagstrott. „Veränderung“ ist ein wichtiges Stichwort, das sich wie ein roter Faden durch die 13 Anspielstationen zieht.

Mit den Featuregästen aus dem eigenen Camp, Clayne und Djin, konnte man nicht viel falsch machen. Beide liefern passende Zeilen, die sich ohne Mühe ins Gesamtbild von „Von A Nach X“ integrieren. Produktionstechnisch haben Peet, neodisco, Cop Dickie und Plot-Member Elias an der Gitarre ordentlich abgeliefert. Wer auf pathetische und theatralische Instrumentale (manchmal auch poppig angehaucht) steht, ist mit dem Album gut beraten.

Fazit: Niko aka Sorgenkind hat ein außergewöhnliches Händchen für einprägsame Hooks, passende Featuregäste, einen außerordentlich schönen Instrumentalteppich und ab und an etwas viel Kitsch. Diggedidope mag Kitsch. Kein Ding. Erfreulich, wie er es vom teils sehr kindischen „Weltretter auf Jobsuche“ zu einem kohärenten, erwachsener wirkenden „Von A Nach X“ gebracht hat. Meinen Glückwunsch. Ach und: kauft das (www.srgnknd.de).

(jb)