Diggedidope über: Felix Krull – Tage des Stemmers

Felix Krull veröffentlichte heute, am 10.11.2012, sein Debüt-Mixtape „Tage des Stemmers“. Das größtenteils von Producerkumpel David Lauren produzierte Machwerk kommt in einer Limousine zum Münchner P1 gefahren. Es öffnen sich die Türen des Wagens und illustre Gäste steigen aus der Nobelkarosse: Olson aka A$AP Oli, Ali A$, Kitty Kat und Kitschgang-Kumpel Guliano wurden von Feiertier Krull auf einen bunten Trip eingeladen. Ich hatte das Vergnügen, bereits vorab hineinzuhören und sah mich (dank Überkater, dem feuchtfröhlichen Donnerstagabend geschuldet) in der gönnerhaften Position, euch kurze Meinungen zu jeder Anspielstation niederzuschreiben. Gönnt euch:

Intro: Sound für die Rockstars. Sound für die Gangster. Der Ghettoflex flowt wie ein junger Gott über den Beat von David Lauren und stellt klar, wer hier der Stemmer im Haus ist. Stemmertime. 1A-Intro, schwängert die weibliche Rasse im Vorbeigehen.

Morgähn: Willkommen im Casa de Stemmer. Ein weltmännischer, fröhlicher Beat, auf welchem Felix Krull den typischen Samstagmorgen skizziert. Der Song ist wie „Whiskey im Kaffee, leckere Croissants, dick Butter drauf, in die Milch eingetaucht“ und viel mehr. Im Bett räkelt sich eine Augenweide. Wir alle kennen das. Wahnsinniger „Gute Laune“-Song für euere ekelhaften Montage.

Fick Es: Nicht nur im Duden wird „Kitsch“ groß geschrieben. Eamons „Fuck It“ aus dem Jahre 2003 in der Krull’schen Überarbeitung. Herzzerreißende Abrechnung mit der Ex, dabei gekonnt den Schmerz und die Trauer durch Arroganz und Ignoranz kaschiert. Es wird nicht die einzige Hommage an vergangene Chartwunder bleiben…

Urbane Eleganz: Im Zusammenspiel mit A$AP Oli wird der Vettel in die Nase gejagt und einbeinig an der Wand gelehnt. Flamingo-Leben. Wenn Juniorgraf Olson volltrunken nach Lana Del Rey gröhlt und dem Herren Pietro Lombardi auf dem Weg zu den Toiletten die Unumgänglichkeit des Genitivs erklärt, befinden wir uns urplötzlich auf der Echo-Aftershowparty. Wohlklingender könnte man diese „Urbane Eleganz“ nicht manifestieren. Brett.

Michael Wendler: Die Power-Videoauskopplung, die Rucksackträgern die Schultergürtel abtrennt. Echte Stemmer bleiben hardcore und das ist auch gut so. Dreht das im Porsche 911er laut auf.

Bastrock FlipFlops: Die drogenverseuchte Anspielstation, zu welcher ihr in geselliger Runde den Besen im Kreis wandern lasst. Ganz normal.

Sexpistol Remix: Die Münchner Connection Krulli A$ baut aus dem vergangenen Solohit einen noch grandioseren Remix. Textlich neugestaltet, dynamischer und die technische Raffinesse des Ex-„Deluxe Records“-Künstler veredelt das Schmuckstück.

Gewalt und Leidenschaft: Sollte man den Münchner als Weiblein hintergehen, wird aus Leidenschaft Gewalt, die Leiden schafft. Da kommt es schon einmal vor, dass die eigentliche Herzdame zur Strecke gebracht wird. Kein Grund zur Aufregung, denn Herr Krull badet im schlechten Gewissen und zeigt humane Züge.

Meine Stadt: Die poppige Ode an die Stadt der Reichen – München. Mit der Berlinerin Kitty Kat wird der Champagne im P1 gepourt, alternativ zieht man ’ne Schnelle. Die Hook ist einmal mehr hitverdächtig.

Kitschgang: Geht’s noch kitschiger? Gönnerkumpel und Kitschgangmember Guliano führt auf einem cheesy Samplebeat eine aufregende Konversation mit Kader Loth und Flex gönnt dem Beckers Boris eine Lobhudelei. Bussi.

Armand: Was soll man sagen? Koital genial. Aufregendes Bettgeflüster.

Dad: Oh god, was für ein Hit. Eine prächtige Neuinterpretation von Chers 1998-Kracher „Believe“, die der Protagonist der etwas schwierigen Beziehung zu seinem Vater widmet. Ich zieeeeeeeeeeeh ’ne Riesennase vom Blow…

Tage des Stemmers: Den krönenden Abschluss macht der hervorragende Titeltrack, der den zähen Weg, hinein in die Münchner Schickeria, verrät. Vergangenheit, denn nun wird vom Schampus und vom Wein getrunken und die Scheine werden gerollt. Perfekt.

Eine kurze Live-Berichterstattung beim Hören der 13 Songs umfassenden Platte, die ihr euch von nun an auf Amazon undiTunes legal gönnen dürft. „Schön, Dreckig & Reich“ deutete an, wo der Weg des Münchners hinführen könnte. „Tage des Stemmers“ fällt insgesamt zwar nicht ganz so aggressiv aus wie angesprochener Titel, fängt den Krull’schen Charme dennoch perfekt ein und liefert Musik, die die angenehmsten Dinge im Leben behandelt. An die  etwas Jüngeren unter uns jedoch ein Fingerzeig: die Texte sollten euch keinesfalls zur Nachahmung animieren.

Kurz: „Mach ma’s geil“ war das treffendste Motto. Geil g’machd ha’m s’es.