Diggedidope über: The Heist – „Geht doch, Macklemore!“

Ich muss da einiges gerade rücken. Nein, mich hat dieser Typ aus Seattle bislang nicht wirklich interessiert. Und ich hab es sogar versucht, also unterstellt mir hier keine schludrige „Arbeitsweise“. Ich habe mir sowohl sein „Unplanned Mixtape“ als auch die „VSRedux“-EP mit Partner Ryan Lewis gegeben, ja, sogar sein 2005er Mixtape/ Album „The Language Of My World“ habe ich angehört, um irgendwie nachvollziehen zu können, weshalb jeder zweite (speziell die weibliche Rasse) in Facebook alle drei Stunden ein Video von diesem Macklemore postet. Die mögen alle ganz ansehnlich sein. Sanfte Stimme, gut gemachte Musik. Alles klar. Leider oft so sanft, dass es in eine Richtung des Kitsches abdriftet, die mir nicht mehr angenehm genug ist, um es auszuhalten. Dieses Problem stellte sich mir beispielsweise auch erneut bei der aktuellen Single „Same Love“ aus dem morgen erscheinenden Album „The Heist“ dar. Keine Frage: das Thema der gleichgeschlechtlichen Liebe ist wichtig und die Meinung, die Herr Haggerty und Produzentenkumpel Lewis kolportieren wollen, anständig und vernünftig, aber doch bitte nicht in solch einem Kitschgewand, wie ich es selten erlebt habe.

Auch „Wing$“ packt mich nicht sonderlich – kann mir aber vorstellen, dass basketballverrückte Jugendliche die Dramatik des Songs so beflügelt wie den Protagonisten selbst und diese zum Michael Jordan werden lässt. Meine Antipathie für das Zeug verwundert mich doch etwas, da ich selbst eigentlich der größte Fan von pathetischen Musikspielerein bin, die cheesier nicht sein könnte. Hiermit verweise ich auf Liedgut des Herren Olson (früher Olson Rough) und die „Lieber bleib ich broke“-Zeit eines heutigen Freundes von Niemand. Und das keineswegs böse gemeint.
Diese „Thrift Shop“-Single mit dem Gedudel geht aber sowas von gar nicht. Und das ist böse gemeint.

Genug Negatives angesprochen: ich wollte wie im Anfangssatz geschrieben „einiges gerade rücken“. „The Heist“ heißt (wow, was eine rhetorische Meisterleistung) wie schon im obigen Absatz bemerkt das Debütalbum der gefragten „Newcomer“. Und dass in der letzten Woche der Stream auf NPR online gestellt wurde, veranlasste mich dazu, in dieses heiß erwartete „Schmuckstück“ (?) reinzuhören. Wie es das Schicksal will, bin ich nach fünfzehn Songs später nun auch Fan oder sagen wir zumindest Sympathisant Ben Haggertys, dessen Album seine Höhepunkte vor allem in den „Black Hippy“-Featuresongs findet und das Zusammenspiel von anspruchsvollem Rap und schönen (oft gesungenen) Refrains perfekt meistert. Ab-Soul und ScHoolboy Q sind für das eingefleischte Rap-Publikum allerdings die einzig bekannten Gäste, ansonsten versammeln sich Stimmen aus dem „Indie-Rock“- und „Pop“-Geschäft, was dem Ohrwurmfaktor der LP sehr gut tut.

Um ehrlich zu sein, tue ich mich sehr schwer damit, Musiker auf die fünfte Chance zu feiern. Die optische „Olson-Kopie“ hatte mindestens so viele und schlussendlich überzeugte er mich nun doch. Dieses Problem hängt überwiegend mit meinem Ego zusammen, das sich ein halbes Jahr lang gegen das Macklemore-Groupietum meines Freundeskreises und der Öffentlichkeit zu wehren versuchte und sich nun eingestehen durfte, dass dieses Debütalbum (als Macklemore & Ryan Lewis) im Gegensatz zu vergangenen Projekten meiner Meinung nach doch einiges kann. Geht doch, Macklemörchen! Aber Kumpel: ruh dich nicht aus. Das heißt nicht, dass ich nun alles von dir in Zukunft kommende bedingungslos feiern werde. Du bist ja kein Drake.

(jb)